Gonzo unterwegs

Über den Salt Lake in den Yellowstone Nationalpark

Der nächste Tag gestaltete sich etwas flüssiger. Zumindest was den Verkehr anging. Wir kamen gut voran und schafften 660 km. Nun lag wieder Utah und der große Salzsee vor uns. Wir kamen nach Bonneville. Bonneville ist berühmt wegen dem Bonneville Speedway, einer Hochgeschwindigkeitsstrecke auf dem Salzsee, wo schon die verschiedensten Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt worden sind. Leider war dort ausser ein paar Touristen die mit ihren Autos auf der unendlichen Salzfläche herumgekurvt sind nicht viel los. Ich hätte gerne so ein „Raketenauto“ über die Salzfläche brettern gesehen. So sind halt wir gebrettert, und jetzt hat sich eine dicke Salzkruste in jeder Ritze unter unserem Gonzo gebildet. Das wird viel Arbeit im Herbst zuhause…..
Von Bonneville geht direkt nach Norden eine Piste weg. Immer am Rande des Salzsees entlang. Wir haben nach San Francisco nicht wirklich Lust auf Salt Lake City und so nehmen wir die Piste in Richtung Norden. Noch keine drei Kilometer vom Asphalt herunten machen wir eine Kaffee Pause. Ich höre ein Geräusch. Ein leises Pfeifen. Eh klar, im rechten Hinterreifen steckt eine Schraube. Das wars also mit der gemütlichen Kaffeepause. Diese Gelegenheit nutze ich, um den Reservereifen auszutauschen. Das müsste ich normalerweise nicht, denn ich habe ein Reifen-Flick-Set dabei. Da brauche ich nur die Schraube rausziehen und einen Gummistreifen hinein vulkanisieren, Luft aufpumpen und weiter geht es. Ich tausche so alle 10.000 km den Reservereifen mit einem anderen, denn es macht nicht viel Sinn nach ein paar Jahren vier abgefahrene und einen nagelneuen, aber alten Reifen wegzuschmeissen. Wenn man den Reservereifen mit einbindet, haltet der Satz locker 15.000 km länger. Der Reifen ist repariert und bleibt für die nächsten 10.000 km auf der Motorhaube.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was folgt sind 100 km Piste mit sandigen Passagen und übelster Waschbrettpiste. Dafür wurden wir mit einem schönen, ruhigen Stellplatz inmitten von Nirgendwo belohnt………

Unser Gonzo hat auch das mit britischer Gelassenheit weggesteckt und sieht nun wirklich aus wie die Sau. Wir sind jetzt bald sechs Wochen unterwegs und es hat nur einmal bei der Anfahrt nach Denver kurz geregnet. Sonst gab es nur ungetrübten Sonnenschein und viel viel Staub, der jetzt mit dem Salz vom Salt Lake eine richtig dicke Kruste über dem Leiterrahmen bildet. Ich hoffe den Rahmen gibt es noch wenn wir wieder zuhause sind……

Vor dem Yellowstone fuhren wir durch den Grand Teton Nationalpark.

Die Landschaft ändert sich schlagartig und wo gerade noch Wüste und karge Felsen waren, erfreut sich das Auge nun an dichten Wäldern und saftigen Wiesen durch welche sich klare Flüsse den herrlichen blauen Seen zu mäandern. Auch die Temperaturen sinken wieder ins Erträgliche. Der Park liegt ja auf über 2000 Metern.
Fast übergangslos kamen wir in den Yellowstone Nationalpark. Am ersten Campingplatz angekommen erkundigten wir uns nach einem freien Platz. Fehlanzeige, alles voll. Wir hakten nach und die freundliche Dame bemühte sich für uns doch noch etwas aufzutreiben. Am anderen Ende des großen Sees wäre noch ein Platz frei. Sogar für zwei Nächte ca. 100 km weiter. So beschlossen wir denn die Erkundung der Sehenswürdigkeiten des Parks gleich zu beginnen und machten uns gemütlich auf den Weg. Wir hatten keine Eile denn unser Platz war jetzt ja reserviert. Wir besuchten zahlreiche Geothermal-Felder und kamen gleich zum großen Highlight des Parks. Der große Geysir. Auch Old Faithfull genannt. Er bricht in etwa jede Stunde einmal aus. Der Parkplatz und die Menschenmassen dort liesen schon einmal einen Vorgeschmack aufkommen, wie gut besucht der Park ist. Wie dem auch sei, wir fanden schließlich einen guten Platz in der ersten Reihe und konnten das Spektakel ausgiebigst auskosten.
Der Tag war lange genug und wir wollten uns am

Campingplatz zwei Tage ausruhen. Ein paar Kilometer nach Old Faithfull steckten wir wieder einmal unvermittelt im Stau. Eine gute Stunde geht gar nichts mehr und ich bin hungrig…….
Es war bereits sechs Uhr am Abend und wir erlebten hautnah mit, wie alle jene die im Park keinen Campingplatz oder keine Unterkunft mehr bekamen auf die Plätze vor den Parkeingängen hinausdrängten. Alle Straßen waren hoffnungslos überlastet uns so blieb uns nur der Gedanke an ein gemütliches Abendessen.
Irgendwann war auch das ausgesessen und wir machten einen Tag Pause. Ganz in der Früh konnten wir sogar wieder einen Platz in einem anderen Park-Campground reservieren der für unsere Route äußerst gelegen lag. So konnten wir wieder ohne Zeitdruck einen ganzen Tag durch den Park cruisen und uns in aller Ruhe alles ansehen.
Am Abend am Campground hatten wir dann noch Besuch von einer kleinen Bisonherde, die mit aller Ruhe durch den Campground spazierte. Eines blieb sogar vor unserem Gonzo stehen und musterte mich in aller Ruhe von oben nach unten. Eines ging hinter mir vorbei und und eines seitlich vom Auto. Ich hab mich fast nicht durch die Kamera schauen getraut. Nach einigen sehr stillen Momenten in dem die Zeit und meine Atmung stehen geblieben schienen, machte sich die kleine Herde ruhig davon.
Das war schon ein ganz besonderer Moment, so nah an ein ausgewachsenes Bison zu kommen. Diese Eindrücke verarbeitete ich dann mit einem guten Glas Wein.
Wir überlegten lange ob wir versuchen sollten noch eine Nacht am Platz zu bekommen aber wir hatten die großen Highlights des Parks gesehen (außer einem Grizzlybären, leider…) und waren noch ziemlich weit im Westen. Der Nachhauseweg ist noch weit genug und zum Wandern im Park waren wir einfach zu faul.
Wir hatten jetzt ca. 10.000 km zurückgelegt und es sollten noch einige dazukommen bis wir wieder an der Ostküste sind. Wir verlassen den Park in Richtung Osten. In Richtung Mount Rushmore.
Noch vor Mount Rushmore kamen wir in einen sehr schönen National Forest wo wir übernachteten.
Vor dem Mount Rushmore kamen wir in den Custer State Park. Ein wirklich sehr schönes Waldgebiet wo wir uns überlegten ein paar Tage zu bleiben. Hier kann man so wie fast überall in den USA ein ATV mieten. Das ultimative Spaßgerät. Hier haben sie überall ATV-Strecken so wie am Gardasee für die Mountainbiker. Wir aber wollen die noch vor uns liegenden Kilometer bis zu den großen Seen hinter uns bringen und dann dort noch zwei ganz gemütliche Wochen verbringen. Wenn man weiß das man keine 5000 sondern „nur“ mehr ca. 1000 Kilometer bis nach Baltimore hat, kann man um einiges besser entspannen.
Zum Mount Rushmore gibt es nicht viel zu erzählen. So wie bei allen Sehenswürdigkeiten in Amerika gibt es erst mal Stau, dann einen riesigen Auffangparkplatz und dann tausende von Menschen mit dem gleichen Ziel wie wir.
Die Leistung der Arbeiter die den Mount Rushmore erschaffen haben ist schon sehr beeindruckend und so kann man auch heute noch zu Lincoln, Washington, Jefferson und Roosevelt hinaufblicken.
Der Touristen und Menschenhölle entkommen saßen wir wieder in unserem Gonzo und fressen die vielen Kilometer durch South Dakota und Minnesota die sich landschaftlich wahrlich ereignislos darstellen.
Nach zig Kilometern langweiliger und ereignisloser Landschaft kamen wir nach Sparta. Ja Sparta. Die Stadt heißt so und wir suchten wieder einmal nach einer Möglichkeit zum Übernachten. Nach längerem suchen und eher zufällig entdeckten wir einen wunderschönen und auch günstigen Campground. Wir stellten unseren Gonzo unter Bäumen inmitten einer großen grünen Wiese. Wir sind nahezu alleine am Platz und es ist ruhig. Wir beschließen spontan zu bleiben…….
In der Früh klopfen erst noch kleine, zaghafte Regentropfen ans Dach. Es wird immer mehr. Der erste richtige Regentag in unserem Urlaub kündigt sich an. Endlich ein Tag um die Homepage zu aktualisieren…….

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